Wilhelm Öffner, der wüste Wirt von Gebsattel

Wilhelm Öffner war für das Stift Komburg ein sehr schwieriger Lehensträger. Er habe vor Jahren (1563) die Erbschenkstatt an dich gebracht und bezogen, klagten die geistlichen Herren, sei aber bald ungehorsam geworden. Zwar habe er vertragsmäßig den herrschaftlichen Wein verkauft, aber viel zu teuer und noch dazu mit Wasser vermischt. Seinen Gästen gegenüber habe er das sogar offen zugegeben und erklärt, die Herrschaft zwinge ihn geradezu zu solchen Untaten. Die Weinschätzer, die nach der Qualität des Weines den Preis zu bestimmen hatten, ließ er nicht ins Haus und drohte, sie zu erschießen.

1564 ließ die Herrschaft den Grobian festnehmen, nach Komburg schaffen und dort in den Turm sperren. »Auf sein fleißiges Bitten« wurde er wieder entlassen, nachdem er Urfehde und Besserung geschworen hatte. Kaum wieder in Gebsattel, fing er erneut an, aufmüpfig zu werden. Wieder wässerte er seinen Wein, und wieder verkaufte er dieses Gesöff zu teuer. Den Herrn Dechant in Komburg nannte er einen verdorbenen Bettelpfaffen, vom Amtmann im Schloss behauptete er, diesen verdorbenen Fuchs habe der Teufel nach Gebsattel geführt, dem komburgischen Schultheiß drohte er an, er werde ihn erschießen oder erschießen lassen und seinen Hof abbrennen. Den Schöffen des Dorfgerichts warf er vor, sie hätten ihn so lange verraten, bis er ins Gefängnis gekommen sei, auch den Pfarrer beschimpfte er übel und einige Gäste verdrosch er sogar. Seine Wirtschaft - ließ er verlauten - sei ihm zwar feil, wenn die Herrschaft das wünsche. Wer sie aber kaufen wolle, der müsse 2000 Gulden auf den Tisch legen können, darunter sei nichts zu machen. Fangen lasse er sich ein zweites Mal nicht mehr, er habe sich eine neue Büchse gekauft, mit der er ein oder zwei Leute, falls man versuchen sollte, ihn zu verhaften, glatt erschießen werde. Bei der ersten Festnahme habe man ihn nur deshalb erwischt, weil er damals krank gewesen sei. Anschließend verkündete er noch höhnisch, er kenne sich aus und wisse, dass sein Verhalten ihm nicht den Kopf kosten könne, denn Komburg dürfe keine Köpfe abhauen und nach Würzburg (vor ein bischöfliches Gericht) dürfe man ihn nicht bringen. Es kam ganz anders. Komburg erinnerte sich daran, dass Eidbruch und Unbotmäßigkeit gegenüber der Herrschaft Fraischfälle darstellten und damit in die Zuständigkeit der Rothenburger Richter fielen. Während man sonst eifrigst bemüht war, alle Delikte so herunterzuspielen, daß sie vor dem Dorfgericht verhandelt werden konnten, verlangte der Herr Dekan diesmal eine strenge Bestrafung durch Rothenburg. Er wies darauf hin, dass Leute wie Öffner eigentlich ihren Kopf verwirkt hätten und drohte einen geharnischten Protest an, falls Rothenburg sich für unzuständig erklären sollte. Die Rothenburger dachten gar nicht daran, abzulehnen, ganz im Gegenteil. Da man sie sogar aufforderte, über komburgische Untertanen ihre Hochgerichtsbarkeit auszuüben, taten sie das sofort. Sie schnappten den verdutzten Wirt und warfen ihn wieder in den Turm, diesmal in den rothenburgischen. Am 14. 5. 1566 leistete er - nun vor Rothenburger Richtern - seine 2. Urfehde und hinterher erschien er mit Adam Öffner vom Insinger Schloss und einer Handvoll weiterer betuchter Männer auf der städtischen Ratskanzlei, wo die Herren eine gesamtschuldnerische Bürgschaft über 1000 Gulden leisteten für den Fall, dass Öffner auch seine zweite Urfehde wieder brechen sollte. Diese Urfehde enthielt die für den Wirt unangenehme Verpflichtung, spätestens einen Monat nach der Entlassung aus dem Gefängnis sein Wirtshaus zu räumen.

Hans Wilhelm Öffner nannte die Öffner vom Wildenhof, die auch Rothenburger Stadtbürger waren, seine »Junker«; in der Komburger Klage aber sprach der Dekan von »Hans Wilhelm, Wirt zu Gebsattel, der sich Öffner nennt« und von »Hans Wilhelm, ein lediger Öffner«. Die genauen verwandtschaftlichen Zusammenhänge sind nicht bekannt. Das Benehmen aber, das Hans Wilhelm an den Tag legte, war echt »öffnerisch«. Erst wenige Jahre vorher - 1558 - hatte man Wolf Öffner vom Insinger Schloss in Schwäbisch Hall wegen Räuberei und Brandschatzung geköpft, und Cunz Öffner vom Wildenhof legte sich 1574, also wenig später, mit der Stadt Rothenburg an, weil er zum Bau des neuen Rathauses keine Frondienste zugestehen wollte. 1594 wurde er sogar festgenommen und in Rothenburg »verarrestiert«, was ihm ziemlich teuer zu stehen kam. Aber nicht nur Öffner, auch seine Nachfolger versuchten sich zu bereichern, wo es nur möglich war. 1574 zum Beispiel mussten sich die Gäste der Erbschenkstatt schon wieder über den Wirt, dessen Name nicht überliefert ist, beschweren, weil er den Wein abermals zu teuer verkaufte. Die Herrschaft beauftragte den komburgischen Schultheiß Kraft sowie die Bauern Jörg Dorsch und Michl Erk, den Wein vor dem Verkauf zu prüfen und zu schätzen. Sie sollten den Preis so festsetzen, dass der Wirt höchstens drei Pfennige pro Maß verdiente, bei Preisüberschreitungen sollte er für jede zu teuer verkaufte Maß einen Gulden Strafe zahlen. Für ihre Tätigkeit stand den Prüfern jeweils eine halbe Maß Wein und ein Paar Weck zu.

Aus "Gebsattel, Chronik eines fränkischen Dorfes" von Anton Müller 1989 (gekürzt)
zurück